Wichtig: In diesem Artikel geht es nicht um die Behandlung von Angststörungen, Panikattacken, etc. Viel mehr möchte ich meine Erfahrungen im Umgang mit Angst und Stress mit Dir teilen. Ich zeige Dir, wie ich gelernt habe, besser mit meiner Angst in bestimmten Situationen (Stress, Überforderung) umzugehen.

Kennst Du das? „Die Angst lähmt mich, ich kann nichts tun… Ich will einfach nur weg!“ Dieses Gefühl, flüchten zu müssen, ist in solchen Stresssituationen übermächtig. Aber war um ist das so?

Warum haben wir Angst?

Das Gefühl von Angst ist ein Zustand, bei dem das Gehirn die aktuelle Situation (oder auch nur die gedachte Situation) als lebensbedrohlich einschätzt. Unsere Vorfahren haben noch sehr am Limit gelebt. Die Lebensbedingungen waren härter, die Gefahren real.

„Wenn ich nicht aufpasse, dann verhungere oder verdurste ich. Oder es frisst mich ein Raubtier. Oder ich stürze einen Abgrund hinab. Wenn ich dann überlebe, habe ich nichts, womit ich mich verbinden könnte.“ Echte Gefahren.

Heutzutage können wir in ein buntleuchtendes Gebäude gehen, nehmen uns etwas das Schmackhaft aussieht und geben im Gegenzug dann ein bisschen Metall, Papier oder Plastik. Schon haben wir etwas zu essen. Das Wasser kommt aus einem metallenen Rohr, wir müssen nur diese Dinger an der Seite etwas drehen. Raubtiere schauen wir uns nur noch im Zoo oder in Räumen an, wo an der Wand ein buntes, bewegtes Bild erscheint. Absturzgefahr besteht so gut wir nur noch am Wochenende, wenn man zu viel von diesem lustigmachenden Getränk trinkt, dass nicht Wassser heißt.

Trotzdem sind diese Urinstinkte immer noch in uns. Bei Gefahr gibt es zwei Reaktionen: Flucht oder Kampf. Adrenalin schiesst in den Körper. Unser Herz schlägt schneller, um mehr Blut durch den Körper zu pumpen, damit wir in dieser Situation gut versorgt sind.

In unserer heutigen Zeit gibt es aber auch noch etwas, dass wir noch tun können: uns beruhigen.

Wenn wir uns klar machen, dass die Situation nicht lebensbedrohlich ist, dann werden wir wieder handlungsfähig. Zwar braucht das ein bisschen Übung, aber wenn Du erstmal bewusst erkennen kannst, in was für einer Situation Du bist, dann kannst Du sie auch zu Deinen Gunsten verändern.

Wie Du doch ins Handeln kommst

Früher war ich sehr schnell von ALLEM gestresst. Die Überforderung liess nicht lange auf sich warten. Ausnahmezustand – Panik! „Ich muss hier ganz schnell weg!“ Meine bevorzugte Reaktion war Flucht. An manchen Tagen hatte ich sogar nur schon vom Gedanken an eine solche Situation Angst.

Wie habe ich diese Angst gezähmt?

Irgendwann habe ich angefangen, bewusster zu leben. Das hat mir dann auch in stressigen Situationen geholfen, ruhig zu bleiben. Ich habe damals angefangen, mir nach einer solchen Situation voller Überforderung die folgende Frage zu stellen: „Was war da eigentlich gerade los?“ Ich habe begonnen, diese Situationen zu analysieren und besser zu verstehen.

Eine Möglichkeit, um Angst und negative Gefühle zu zähmen, ist, sie umzudeuten. Was heißt das?

Ich habe gelernt, dass negative Gefühle „Handlungsbedarfssignale“ sind. Negative Gefühle wollen uns zeigen: „Hier stimmt etwas nicht. Bitte schau genauer hin.“ Jedes Mal, wenn wir negative Gefühle empfinden, werden wir gefragt: „Willst Du diese Situation jetzt verändern/auflösen?“ Oft bleiben wir beim alten Verhalten, weil wir keine Alternative sehen/kennen. Wir lassen uns von unserer Angst überwältigen und flüchten an einen sicheren Ort.  Wir haben diese Option so oft gewählt, dass sie automatisch abläuft. Klein machen und wegschauen, weil wir uns hilflos fühlen. Das ist ein Muster aus unserer Kindheit, wo wir auf Hilfe von anderen angewiesen waren. Heute sind wir eigenständige Menschen und nicht mehr ganz so hilflos. Wir können lernen, Dinge anders zu machen.

Eine weitere Möglichkeit, besser mit Angst und Stress umzugehen, ist die bewusste Analyse der Situation: Mit der Zeit konnte ich zwei Arten von Überforderungssituationen erkennen: Echte Gefahr oder „nur“ Überforderung?

Handelt es sich um eine echte Gefahr ist ganz klar „Kampf oder Flucht!“ angesagt. Wenn es aber „nur“ eine stressige Überforderungssituation ist, dann hilft mir meine Schritt-für-Schritt-Anleitung diese Situation mit einem guten Gefühl zu meistern.

Meine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung gegen Überforderung in stressigen Situationen

Schritt 1: Ruhig bleiben
Ruhe zu bewahren ist sehr wichtig. Bei Stress verkrampfen unsere Muskeln. Um wieder locker zu werden, stelle ich mir vor, dass ich mich weit mache. In alle Richtungen. Wenn es die Situation erlaubt, strecke ich auch meine Arme weit aus und stelle meine Füße fest auf den Boden. Oft reichen schon ein paar Sekunden aus, um ruhiger zu werden.

Schritt 2: Bewusstmachen der Situation
Mittlerweile frage ich mich bewusst: Was ist das hier für eine Situation? Echte Gefahr oder „nur“ Überforderung?

Schritt 3: Mich selbst ganz bewusst stärken
Handelt es sich um eine Überforderungssituation richte ich meinen Fokus ganz auf mich. „Aha, es ist gerade eine unangenehme Situation. Ich habe schon einige solcher Situationen gemeistert. Ich werde auch diese Situation meistern.“ Ich frage mich: „Was will ich? Was würde mir JETZT gut tun? Was brauche ich, damit ich mich (wieder) gut fühle, um diese Situation zu meistern?“

Das können kleine Dinge sein: Kurz an die frische Luft gehen. Etwas essen + trinken. Ein kurzes Gespräch mit einer Person, die mehr Erfahrung hat. Was auch immer es ist, nimm Dir die Zeit und schau, dass es Dir wieder gut geht.

Schritt 4: Druck rausnehmen
Im Fall, dass mir in der kurzen Auszeit keine gute Lösung einfällt, bleibe ich ruhig und verschaffe mir Bedenkzeit.  Entscheidungen aus der Angst heraus sind aus meiner Erfahrung eher keine guten Entscheidungen.

Meine Erfahrung zeigt, dass es meist kein Problem ist, sich etwas Bedenkzeit zu verschaffen. Sachlich formuliert ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Du diese Zeit bekommst. „Ich habe verstanden, was Du möchtest. Ich mache mich dazu meine Gedanken. Wenn ich Fragen habe, melde ich mich nochmal bei Dir. Meine Antwort bekommst Du bis spätestens… [Termin nennen]“.

Diese Neutralität hilft Dir, in Deiner Stärke zu bleiben. Früher habe ich mich immer erklärt, wieso, weshalb, warum. Heute weiß ich, das verwirrt mein Gegenüber nur und hilft uns beiden in der jetzigen Situation nicht weiter. Klare Ansagen sind oft viel effektiver als entschuldigen und wirre Fragen und Erklärungen.

Bewusstsein ist der Schlüssel zur Veränderung

Im Grunde geht es in solchen Stresssituationen immer darum, einfach ruhig zu bleiben, sie bewusst wahrzunehmen, um so handlungsfähig zu bleiben. Langfristig ist das Ziel, so ruhig zu bleiben, dass Du jede Situation so löst, dass es Dir dabei gut geht. Das ist absolut möglich. Das schöne ist, je mehr Du diese Vorgehensweise übst, umso selbstsicherer wirst Du werden.

Andere gehen über unsere Grenzen, wenn wir es ihnen erlauben. Wenn Du lernst, für Dich selbst einzustehen und Deine Bedürfnisse klar zu formulieren, dann kannst du damit alles nachhaltig verändern. Wie wäre es, wenn Du Deine Bedürfnisse ernst nimmst und sie nicht aus Angst vor Ablehnung in den Schatten zurückdrängst und Dich nur nach dem Außen richtest? Sondern mit einer inneren Ruhe die Situation meisterst, so dass Dein Gegenüber sogar von Dir beeindruckt ist?

Ich wünsche Dir, dass Du in Zukunft in stressigen Situationen ruhig bleiben kannst, um die bestmögliche Lösung für Dich zu finden. Das ist absolut machbar, aus meiner persönlichen Erfahrung.

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